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  • Anne Preuß

Aufräumen- wohin mit den ganzen Bildern?

Wenn ich weiter Bilder male, werden es immer mehr, denn keiner will Geld für Bilder ausgeben. Da alle Regale und die beiden Planschränke schon voll sind, überlege ich, was ich nun machen soll.

Ich bin schon vor einigen Jahren vom Malen auf Leinwänden übergegangen zum Aquarell, eigentlich, weil ich die Acrylfarben nicht mehr vertragen habe. Andererseits stellte ich fest, dass ein Keilrahmen von 60 cm mal 80 cm so viel Volumen einnimmt wie 4 große Blöcke mit je 20 Bogen bestem Aquarellkarton. Da könnte ich also 80 Bilder malen und kann den benötigten Platz für die Lagerung reduzieren. Es stellte sich aber bald das Problem: Was wird aus den ganzen Keilrahmen und den eingerahmten Fotografien? Am liebsten würde ich alles einfach in den Müll werfen.

Die großen Museen bauen schon noch größere Archive, um die Werke der Alten Meister und die Werke der Nachfahren der Alten Meister für die Nachwelt aufzubewahren. Wo sollen dann die Bilder meiner völlig unbedeutenden Wenigkeit hin? Sollen sich irgendwann meine Kinder mit dem ganzen Kram beschäftigen? - So wie ich es tat nach dem Tod meines Onkels- jedes Blatt von Gerhard aus den ca 250 Mappen mit jeweils zwischen 50 und 150 einzelnen Arbeiten angeschaut und überlegt habe, was damit zu tun sei. Kein Menschenleben reicht aus, um die Archivierung und Lagerung eines sehr fleißigen Meisters zu bewerkstelligen! Um Ausstellungen kümmere ich mich schon lange nicht mehr. Es gibt überall so viele Bilder zu sehen. Was also tun mit den Bildern?Am besten verschenken, so lange ich entscheiden kann, wer welches Bild erhält. Und lieber nicht mehr weiter malen. Die Erquickung, das Glück, der Flash beim Malen wird bei mir schon lange überlagert von einem schlechten Gewissen, dass ich keine Lust mehr habe zum Malen, das mich in allen Ecken meiner Wohnung die schönen Materialien, Pinsel und Farben angucken und mir zurufen: "Na, Anne , warum malst Du nicht? Hast Du was Besseres zu tun? Wir sind alle zum Malen da und Du beachtest uns nicht!" Was soll der Quatsch!?

Heute bin ich zur Tat geschritten. Den großen Teil der Papierblöcke, Farben, Pinsel und anderer Utensilien habe ich auf einen Stapel gelegt, um sie zu verschenken an meine Nichten, die noch viel Zeit vor sich haben und mit den Materialien was anfangen können, sie haben auch noch nicht das Lagerungsproblem.

Dann habe ich die Schubladen und Regale rigoros nach Dingen, die weder ich noch jemand anderes benutzen wird, durchforstet und habe sie in den Müll geworfen. Als nächsten Schritt war die unterste Schublade dran- alte Reproduktionen und Plakate- alles weg! (Nicht ganz- ich konnte mir nicht verkneifen, ca. 10 hübsche Honnis aufzuheben: wie er so süßlich guckt, das ist doch lustig anzusehen. Die gerade geleerte Altpapiertonne war zur Hälfte wieder gefüllt. Oben drauf noch eine ganze Reihe Studienarbeiten, Beispielbilder aus dem Kunstunterricht und jede Menge missratener Aquarelle.

Oh wie war das schön!! Jetzt weiß ich wieder, was ich habe und demnächst geht es an die Räumung des Kellerlagers- Keilrahmen und gerahmte Fotografien- 50 cm mal 70 und größer, ca. 200 Stück. Mal sehen, was davon übrig bleibt.

Und wenn ich keine Lust habe zum Malen, dann lasse ich es eben.

Dann spiele ich lieber Saxophon, da entsteht nichts, was ich lagern muss, nur die Töne im Augenblick. Ein paar Noten finden im Mäppchen Platz. Da plagt mich kein schlechtes Gewissen.



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